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OLG Hamm: Unautorisierter Internetvertrieb von Bundesligakarten unzulässig

soccer ticketDer Vertrieb von Bundesligakarten ist für Fußballvereine eine der Haupteinnahmequellen. Grundsätzlich haben die Bundesligavereine selbst den Verkauf ihrer Tickets in der Hand. In letzter Zeit gibt es aber vermehrt Internetportale, die größere Kontingente der Tickets aus unbekannten Quellen erwerben und diese gerade bei ausverkauften Spielen teuer weitervermitteln. Aus diesem Grund sind die Portale den Fußballvereinen oftmals – nicht zuletzt wegen der Befürchtung eines Schwarzmarkthandels – ein Dorn im Auge. Viele Vereine haben deshalb in Ihren AGB den  unautorisierten Internetverkauf von Tickets kategorisch ausgeschlossen.

Das OLG Hamm hatte bereits in einer kürzlich veröffentlichten Entscheidung (OLG Hamm, Urteil vom 14.7.2009 – 4 U 86/09) darüber zu befinden, ob diese Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zulässig ist. Nach Ansicht der Vorinstanz (LG Essen, Urteil vom 26.3.2009 – 4 O 69/09), ist die Klausel unwirksam, weil die Verwendung eine wettbewerbsrechtlich unlautere geschäftliche Handlung darstellt.

Bereits vor einem Jahr hatte der BGH (Urteil vom 11.9.2008 – I ZR 74/06) einen ähnlichen Fall („bundesligakarten.de“) entschieden. Danach erwirbt ein Käufer auch dann ein gültiges Ticket, wenn die Tickets nach den AGB des Vereins nicht unautorisiert veräußert werden dürfen. Selbst ein entsprechender Vermerk auf dem Ticket ist nach Ansicht des BGH bei einem Weiterverkauf unwirksam, so dass der Veranstalter dem Ticketinhaber den Zutritt zu der Veranstaltung gerade nicht entschädigungslos verweigern darf.

Im konkreten Fall ging es nun darum, dass der Bundesligaverein FC Schalke 04 Eintrittskarten zu seinen Spielen mit der Begründung sperrte, dass diese über ein nicht autorisiertes Internetportal erworben wurden. Darauf hin stellte der betroffene Online-Ticketmarktplatz Seatwave einen Eilantrag vor dem LG Essen. Die Essener Richter untersagten dem Bundesligisten vorläufig zu behaupten, dass über unautorisierte Verkaufsstellen erworbene Karten ihre Gültigkeit verlören.

Der durch Seatwave geltend gemachte Unterlassungsanspruch wurde wegen einer gezielten Absatzbehinderung gemäß §§ 3, 4 Nr. 10 UWG bejaht. Den notwendigen Verfügungsgrund hat das Landgericht dabei auf die Dringlichkeitsvermutung des § 12 Abs. 2 UWG gestützt. Gegen das Urteil des LG Essen legte der FC Schalke 04 daraufhin Berufung ein – mit Erfolg.
Die Richter des OLG Hamm konnten sich allerdings inhaltlich nicht mit dem Urteil der Vorinstanz auseinandersetzen, da Sie das Urteil des Landgerichts bereits aus rein prozessualen Gründen aufheben mussten. Seatwave hatte außergerichtlich zu lange abgewartet, bis der Eilantrag gestellt wurde. Deshalb fehlte es bereits an der für das Eilverfahren notwendigen Dringlichkeit.
Die Dringlichkeitsvermutung des § 12 Abs. 2 UWG ist nämlich  widerlegt, wenn der Antragssteller ab Kenntnis von dem Verstoß mehr als einen Monat bis zur Einreichung eines Verfügungsantrags bei Gericht zuwartet – gerade dies war hier der Fall.

Der FC Schalke 04 darf also bis auf Weiteres Erwerbern von unautorisierten Internet-Tickets den Zutritt zum Stadion verwehren. Abzuwarten bleibt jedoch, ob Seatwave seine Ansprüche noch in einem Hauptsacheverfahren geltend machen wird. Diese Möglichkeit besteht unabhängig davon, dass der Eilantrag nicht statthaft war. Die Erfolgsaussichten für Seatwave in einem möglichen Prozess stehen nach der bisherigen Rechtsprechung in der Sache selbst auch nicht gerade schlecht.

Sollten Sie zu diesem Thema noch Fragen haben, stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Zur Kontaktaufnahme besuchen Sie bitte unsere Seite www.res-media.net .

Florian Decker
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Dieser Beitrag wurde erstellt unter freundlicher Mitwirkung von Stud. iur. Sebastian Ehrhardt

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geschrieben von: Florian Decker

Florian Decker

Florian Decker
Fachanwalt für Informationstechnologierecht (IT-Recht)

 

 

 

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